Arnold Fiedler - Leben und Werk
(Holger Carstensen)

Arnold Fiedler wird am 1. März 1900 in Hamburg geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung folgt er schon als 16jähriger seinen früh entwickelten musischen Interessen. Er wird an der Hamburger Kunstgewerbeschule Schüler bei Julius Wohlers und Arthur Illies, den bedeutensten Hamburger Kunstlehrern jener Zeit. Ab den 1920er Jahren folgen erste Auslandsreisen nach Italien und Paris. Zur künstlerischen Weiterbildung, nun mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Malerei, geht Arnold Fiedler zu dem deutsch-amerikanischen Expressionisten Hans Hofmann nach München und zum renommierten Impressionisten Max Slevogt nach Berlin.

Der hochbegabte Künstler unterhält bereits zu dieser Zeit ein eigenes Atelier in Hamburg und erzielt erste Ausstellungserfolge. Vor allem mit seinen Holz- und Linolschnitten, die Eindrücke aus St.Pauli und aus dem Hamburger Hafen thematisieren, wird er von einem interessierten Publikum wahrgenommen.

1932 wird Arnold Fiedler zum Beitritt in die Hamburgische Sezession eingeladen, die zwischen den beiden Weltkriegen die künstlerische Avantgarde Norddeutschlands vereinte.

Die nationalsozialistische Diktatur beendet 1933 den gradlinigen Fortgang seiner künstlerischen Entwicklung. Anfangs zieht sich Arnold Fiedler ins Private zurück und passt sich im Rahmen des Möglichen vorsichtig an. Als seine Bilder 1937 als 'entartet' aus der Hamburger Kunsthalle entfernt werden, emigriert er 1938 nach Paris. Doch auch hier holen Ihn Diktatur und Krieg ein.

Nach Internierung und Kriegsverpflichtung als Dolmetscher kehrt Arnold Fiedler 1946 aus us-amerikanischer Gefangenschaft optimistisch ins kriegszerstörte Hamburg zurück. Seine Bilder zum "Vogel Phönix" und dessen Geburt, die auf in der Kriegsgefangenschaft entstandenen Skizzen basieren, können geradezu als programmatisch für sein positives Empfinden in dieser Zeit gelten.

Arnold Fiedler ist 1946 Gründungsmitglied des Hamburger Baukreises, der als Werkstättengemeinschaft und Lehranstalt einen genossenschaftlich organisierten Wiederaufbau nach der Nazi-Diktatur ebenso anstrebt wie eine fortschrittliche Ausbildung des Künstlernachwuchses.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Arnold Fiedler für sein Werk vielfach ausgezeichnet und mit Preisen gewürdigt. Bedeutende private und öffentliche Sammlungen weit über Hamburg hinaus nehmen seine Werke in Ihre Bestände auf. Galerien zeigen mit sehr viel Zustimmung seine Bilder.

Vor allem aber bringt Arnold Fiedler aus Paris neue künstlerische Impulse in seine Heimatstadt mit. Die abstrakten Werke aus seiner Pariser Zeit in den 1950er und 1960er Jahren gelten dabei vielen Kunsthistorikern als Herzstück und als Höhepunkt seiner künstlerischen Ausdruckskraft. In dieser Zeit gehört Arnold Fiedler zur Avantgarde der Nouvelle École de Paris und gilt als "Wegbereiter der gegenstandsfreien Malerei in Hamburg" (Maike Bruns).

Aus expressionistischen Anfängen hat Arnold Fiedler seine ganz unverwechselbare eigene künstlerische Handschrift entwickelt, die surreale, abstrakte und skripturale Ausdrucksformen poetisch zusammenfügt.

Surreal sind seine Träumereien, die ihm bei Bildfindung und Bildgestaltung neben den real erlebten Eindrücken äusserer Formen absolut gleichwertig sind; abstrahierend entfernt sich Arnold Fiedler dabei von der bloss oberflächlichen Wiedergabe des Gesehenen; skriptural sind seine ornamental eingefügten Symbole, Worte und (Orts- und Personen-) Namen, mit denen er Bildinhalte zuspitzt, verfremdet oder Bilder zueignet als Erinnerung an gemeinsam erlebtes, insbesondere bei den Zueignungen an seine geliebte Frau Lisa.

Arnold Fiedler ist ein ständiges verspieltes Suchen nach neuen Ausdrucksformen zu Eigen. Dabei variiert und wiederholt er seine Motive. So entstehen zu Ölbildern Varianten in Tempera und Mischtechniken oder Collagen.

Gerade in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten findet Arnold Fiedler noch einmal zu neuen Höhepunkten seiner künstlerischen Ausdruckskraft. Es entstehen geradezu unbeschwert schöne Bilder in farblich und gestalterisch souveränen Kompositionen.

Arnold Fiedler zeigt wie er die Welt erlebt und wie er sie sieht. Nicht Ängste thematisiert er, sondern er malt und teilt mit, was er liebt: Das Schöne und das Lebendige der Welt. wie den aufkommenden Frühling und das von ihm so geliebte Schausteller- und Jahrmarktleben. Oder Erinnerungen an Erlebnisse auf Reisen nach Südamerika und Afrika. Auch poetische Stillleben und empfindsame Blumenbilder finden sich vielfach in seinem Werk.

Am 1. März 1985 feiert Arnold Fiedler im Kreise seiner Familie und Freunde seinen 85. Geburtstag. Dabei verkühlt er sich. Die Erkältung wird zur Lungenentzündung und nur wenige Tage später, am 6. März 1985, verstirbt Arnold Fiedler zu Hause.

Der Optimismus und die Poesie des Künstlers teilen sich aus seinem Werk bis heute mit. Sein Werk und seine Bilder sind zeitlos.

Werke von Arnold Fiedler befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen und Museen, u.a. der Hamburger Kunsthalle, dem Museum für Kunst und Gewerbe/Hamburg, Schloss Gottorf, der NDR Kunstsammlung, der Sammlung HASPA, der Sammlung Bunte, der Sammlung Krogmann sowie in Museen u.a. in Frankreich, Grossbritannien, Japan, Norwegen, Schweiz und den USA.

Der künstlerische und persönliche Nachlass von Arnold Fiedler wird heute von Doris Stooß in Hamburg-Bergedorf verwahrt und gepflegt.



Literatur zu Arnold Fiedler (Auswahl)
  • Holger Carstensen: Arnold Fiedler. Poesie und Optimismus, Verlag Cord Oltmanns, Hamburg 2010
  • Friederike Weimar: Arnold Fiedler: Arbeiten auf Papier, Hamburg 2000
  • Armin Sandig: Der Maler Arnold Fiedler, Neumünster 1995, inkl. eines von Uta Schoop besorgten Werkverzeichnis seiner Gemälde (Stand: 1995)
  • Hanns Theodor Flemming: Arnold Fiedler Hamburg 1980 (Hamburger Künstler-Monographien, Bd. 14)
  • Der Neue Rump, Hamburg 2005
  • Maike Bruhns: Kunst in der Krise, Band II, Hamburg 2001
  • Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg Band 1 - 4 Hamburg 1974ff
  • sowie diverse Ausstellungskataloge vor allem in Frankreich und Deutschland
          










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Arnold Fiedler 1957
Foto:Ingeborg Sello











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Arnold Fiedler 1975
Foto:Wolfgang Etzold













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Arnold Fiedler 1981
Foto:A.C. Baur













Arnold Fiedler Selbstportrait
Selbstbildnis 1983